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Schizophrenie – Fakten und Vorurteile
Bei vielen psychischen Erkrankungen haben Menschen, die nicht selbst davon betroffen sind, Berührungsängste. Sie gehen auf Distanz und vermeiden es, sich damit zu beschäftigen - Missverständnisse und falsche Vorstellungen sind dann vorprogrammiert. Ähnliches kann aber auch für Betroffene gelten, wenn sie erstmals mit der Diagnose einer Schizophrenie konfrontiert werden. Auch hier können sich Vorurteile über eine Erkrankung, von der man niemals geglaubt hätte, dass sie einen selbst einmal betreffen würde, festgesetzt haben.
Im Folgenden finden Sie Informationen zu einigen häufig zitierten Fakten – oder eben Vorurteilen - zur Schizophrenie.
„Menschen, die an Schizophrenie leiden, sind eher in sich zurückgezogen und meiden aufgrund ihrer Erkrankung häufig die Gesellschaft anderer.“
Richtig. Die ständigen Impulse, die das Gehirn empfängt, empfinden Schizophrene als so überwältigend, dass sie ihnen gerne auszuweichen versuchen. Man sagt, dass bei Schizophrenie diejenigen Filtermechanismen in Mitleidenschaft gezogen sind, die es den meisten Menschen erlauben, beispielsweise während einer Unterhaltung Hintergrundgeräusche oder andere Gespräche auszuschalten.
„Schizophrenie hat nichts mit multipler oder gespaltener Persönlichkeit zu tun.“
Richtig. Der Begriff „Schizophrenie” setzt sich aus den altgriechischen Wörtern für „abspalten” und „Seele” zusammen. Das Wort illustriert also die Zerrissenheit der Gedanken und Gefühle, die diese Erkrankung mit sich bringt.
„Bei schizophrenen Menschen geraten manchmal die Gedanken durcheinander.“
Richtig. Gewisse Schwierigkeiten, was das Denken und die Konzentration betrifft, sind ein Symptom der Schizophrenie. Manche sagen dann: „Ich kann meine Gedanken einfach nicht ordnen.“ Einigen fällt sogar die kleinste Entscheidung schwer.
„Schizophrenie wird durch ein schlechtes soziales Umfeld verursacht.“
Falsch. Ein Leben unter schlechten sozialen Bedingungen ist nicht der Auslöser für eine Schizophrenie, die Erkrankung kann im Prinzip jeden treffen, egal, auf welcher gesellschaftlichen Stufe er steht.
„Manche Arten von Schizophrenie liegen in der Familie.“
Richtig. Bei Schizophrenie handelt es sich um ein Syndrom, also eine Gruppe von Symptomen. Das bedeutet, dass diese einzelnen Symptome auch verschiedene Ursachen haben können. Eine davon kann Vererbung sein.
„Manche Menschen mit Schizophrenie gehen einer geregelten Arbeit nach und führen ein ziemlich normales Leben.“
Richtig. Auch wenn es bei der Mehrheit der Menschen mit dieser Erkrankung nicht so ist, führen immerhin etwa 25 Prozent der Betroffenen mit Hilfe von Medikamenten und einer stabilen, sicheren Umgebung ein normales Leben.
„Wer an Schizophrenie leidet muss Medikamente einnehmen, damit es ihm gut geht.“
Richtig. Wie bei Diabetes oder Herzerkrankungen müssen Menschen mit Schizophrenie Medikamente nehmen, um sich wohl zu fühlen.
„Menschen, die an Schizophrenie leiden, sind gewalttätiger als Personen, die ohne diese Erkrankung leben.“
Falsch. Die Wahrscheinlichkeit für Gewaltausbrüche ist bei Menschen mit Schizophrenie nicht höher als in der Allgemeinbevölkerung. Allerdings reagiert ein kleiner Prozentsatz (der Wissenschaftler John Cleghorn schrieb im Jahre 1992 von vier Prozent) aggressiv in Reaktion auf die Stimmen, die sie hören. Sie können dann gewalttätig gegen sich selbst oder andere werden – meistens ein Familienmitglied. Menschen, die an Schizophrenie leiden und gleichzeitig Alkohol- oder Drogenmissbrauch betreiben, können auch zu mehr Gewaltausbrüchen neigen.
„Schizophrenie kommt häufiger bei Männern als bei Frauen vor.“
Falsch. Männer und Frauen sind fast gleich häufig von dieser Erkrankung betroffen.
„Eine Psychose zu haben bedeutet, den Kontakt zur Wirklichkeit zu verlieren.“
Richtig. Die Betroffenen verlieren nicht einfach den Kontakt zur Realität, sie bilden sich ihre eigene. Nicht selten sind sie davon überzeugt, dass sie ein völlig anderes Leben als ihr reales führen. Unter Umständen glauben sie, dass sie reich und berühmt sind, dass sie außergewöhnliche Kräfte besitzen oder Ähnliches.
„Menschen mit Schizophrenie kommen aus allen Gesellschaftsschichten.“
Richtig. Reich, arm, egal welcher Herkunft – Schizophrenie kann jeden treffen. Die Wahrscheinlichkeit, einmal im Leben zur erkranken liegt bei 1 zu 100. Meist tritt sie im ersten oder zweiten Lebensjahrzehnt auf.